 Zinskommentar vom
16.08.2010
Zins-News: US-Notenbank treibt die Zinsen nach unten
von Robert Haselsteiner (Gründer und Vorstand der Prohyp)
Mit ihrer Ankündigung, die Aufkäufe von
US-Staatsanleihen praktisch zu einer
Dauereinrichtung zu machen, hat die
amerikanische Zentralbank dem Markt zwei
Botschaften gesendet: Erstens hat sie
bestätigt, dass sie sich große Sorgen um die
Nachhaltigkeit des Konjunkturaufschwungs
macht und das Abgleiten in die Deflation als
echte Gefahr sieht. Zweitens möchte sie
nicht nur die kurzfristigen Geldmarktzinsen
nahe Null belassen, sondern versucht mit
Nachdruck, auch die langfristigen
Kapitalmarktzinsen nach unten zu
manipulieren. Noch vor kurzem waren die
meisten Marktteilnehmer davon ausgegangen,
dass die Notenbanker das in der Krise
aufgebaute Portfolio von mehr als 2.000 Mrd.
Dollar an Hypothekenanleihen und
Staatsanleihen wieder schrittweise abbauen
werden und damit das sogenannte
"Quantitative Easing", das uns ja als
einmalige Notmaßnahme zur Rettung des
Finanzsystems verkauft wurde, wieder
zurückführen werden. Nun stellt sich die
Sache jedoch anders da. Jetzt muss der
Retter der Banken, nämlich der amerikanische
Staat, selbst gerettet werden. Dazu bedient
man sich der einzig verbleibenden Quelle,
der Zentralbank. Diese hat eben
festgeschrieben, dass sie fällig werdende
Anleihen aus ihrem Portfolio konsequent
durch den Aufkauf von US-Staatsanleihen
ersetzen und damit das Portfolio auf
mindestens 2.000 Mrd. belassen wird. So hat
der Staat kurzerhand sichergestellt, dass
ein neuer Käufer für Hunderte Mrd. Dollar
neuer Staatsschulden bereit steht. Das
Schlimme ist nur, dass dieser Käufer dieses
Geld gar nicht hat, sondern es schafft,
indem er es einfach bei der Notendruckerei
bestellt. Er heizt damit die bereits seit
einiger Zeit laufende Blasenbildung in den
Staatsanleihemärkten weiter an. Noch lassen
sich die Anleger weltweit aufgrund der
gefühlten Alternativlosigkeit verführen und
kaufen weiter Staatstitel zu historisch
tiefen Renditen. Wir bezweifeln jedoch, dass
mit 2,75% Zins für zehn Jahre das Risiko der
USA, deren Geschäftsmodell einer auf
kreditfinanzierten Konsum ausgerichteten
Volkswirtschaft nachhaltig gescheitert ist,
und die vor einer wahrscheinlich
zehnjährigen Anpassungsphase stehen, richtig
bewertet ist. Sollte das Vertrauen kippen,
werden die überwiegend ausländischen
Gläubiger der USA höhere Risikoaufschläge
fordern. Damit könnten die längerfristigen
Zinsen weltweit signifikant nach oben
korrigieren. Auch wenn kurzfristig der
aktuelle Zinsrutsch auch die Banken zur
Senkung der Baufinanzierungskonditionen
zwingt, sollten Kunden auf der Hut bleiben
und nicht vergessen, dass die Finanzierung
in der Regel 25 Jahre läuft. Diese Periode
heute zu historisch tiefen Zinssätzen
abzusichern, kann kein Fehler sein.
Gerade in der nächsten Woche sollten sich
nach den Anpassungen der Banken sehr
attraktive Konditionen ergeben. Wir
empfehlen, zumindest einen großen Teil der
Finanzierungssumme über lange
Sollzinsbindungen festzuschreiben und damit
für Kalkulationssicherheit zu sorgen.
Baufinanzierungskunden müssen in
Zeithorizonten von 20 bis 30 Jahren denken,
in denen sie monatliche Zahlungen leisten.
Daher sollten sie sich auf keine Spekulation
einlassen. Die Zinsen sind derzeit
historisch tief und implizieren ein
Deflationsumfeld für die nächsten Jahre.
Eine Inflationsprämie ist in den aktuellen
Zinssätzen nicht mehr enthalten.
Grundsätzlich raten wir, bei diesem
niedrigen Zinsniveau eine Tilgung von zwei
bis drei Prozent zu wählen, damit die
Gesamtlaufzeit des Darlehens überschaubar
bleibt. Gefragt sind momentan zum Beispiel
sogenannte Volltilger-Darlehen. Dabei steht
über eine höhere laufende Tilgung heute
schon eine Rate fest, die nach 20 oder 25
Jahren zur vollständigen Rückzahlung des
Darlehens führt. Das Risiko, später zu
deutlich höheren Zinsen eine
Anschlussfinanzierung vornehmen zu müssen,
wird damit bereits jetzt ausgeschlossen.
Tendenz
kurzfristig: aufwärts
mittelfristig: seitwärts
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