 Zins-News: EZB lässt Leitzins unverändert
vom 14.06.2010
In der gestrigen Sitzung des
Zentralbankrates hat EZB-Präsident Trichet den Leitzins von 1,0% für angemessen
erklärt und damit Spekulationen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den
Leitzins noch einmal senken könnte, vorerst den Boden entzogen. Da gleichzeitig
aus China hohe Zuwächse im Export gemeldet wurden, die auf steigende Nachfrage
in den USA und in Europa hindeuten, haben im Wochenverlauf wieder die
Konjunkturoptimisten die Oberhand gewonnen und ein leichter Zinsanstieg war die
Folge. Der Bund-Future hat sich bei rund 128,50 Punkten eingependelt, nachdem er
am Wochenanfang sogar die Marke von 130 Punkten überschritten hatte. Allgemein
beschäftigt die Marktteilnehmer weiterhin die Frage der Staatsverschuldung.
Besonderes Augenmerk gilt dabei Spanien. Für viele Beobachter wird sich an
Spanien die weitere Entwicklung des Euros und der Währungsunion entscheiden.
Während Griechenland und Portugal noch klein genug sind, um eventuell auch
längerfristig von Kerneuropa mitfinanziert werden zu können und so die Einheit
nicht zu gefährden, erscheint das bei Spanien nur schwer möglich. Spanien
befindet sich seit mehr als zwei Jahren in Rezession, hat mit 20% die höchste
Arbeitslosigkeit und leidet unter einer geplatzten Immobilienblase, die auch
viele Spanier privat auf einem Schuldenberg sitzen lässt. Die dringend
notwendigen Reformen am Arbeitsmarkt finden derzeit keine politische Mehrheit
und machen das Krisenmanagement für Regierungschef Zapatero immer schwieriger.
Auch die mittelfristige Gesundheit des spanischen Bankensektors wirft große
Fragezeichen auf und hat bereits zu Spannungen im Interbanken-Markt geführt.
Sollten die Strukturreformen nicht schnell zu Erfolgen führen, so wird die
Staatsverschuldung in Spanien rasch wachsen und zu einem weiteren Test der neu
gebildeten Transfergemeinschaft Euroraum werden. Damit könnte auch die EZB sehr
schnell gezwungen sein, Spanien mit Aufkäufen von Staatsanleihen zu Hilfe zu
kommen und damit die Geldmenge weiter aufzublähen. Fest steht, dass deutsche
Bundesanleihen weiterhin als sicherer Hort gesehen werden und damit vorerst auch
die Referenzzinsen für das Pricing von Baufinanzierungen in Deutschland günstig
bleiben. Längerfristig drohen natürlich deutlich höhere Zinsen – und zwar, wenn
das Gelddrucken der Notenbanken seinen Weg in die Preise findet und die
Inflationserwartungen steigen.
Baugeldkunden sollten daher die Gunst der Stunde nutzen und ihre Konditionen mit
längeren Laufzeiten absichern. Trotz aller kurzfristigen Schwankungen und der
Verlockung auf noch tiefere Konditionen zu warten, gilt weiterhin eine
Grundaussage: Wir empfehlen, zumindest einen großen Teil der Finanzierungssumme
über lange Sollzinsbindungen festzuschreiben und damit für
Kalkulationssicherheit zu sorgen. Baufinanzierungskunden müssen in
Zeithorizonten von 20 bis 30 Jahren denken, in denen sie monatliche Zahlungen
leisten und sollten sich daher auf keine Spekulation einlassen. Die Zinsen sind
derzeit historisch tief und implizieren ein Deflationsumfeld für die nächsten
Jahre. Eine Inflationsprämie ist in den aktuellen Zinssätzen nicht mehr
enthalten. Grundsätzlich empfehlen wir bei diesem niedrigen Zinsniveau eine
Tilgung von 2 - 3% zu wählen, damit die Gesamtlaufzeit des Darlehens
überschaubar bleibt. Gefragt sind zum Beispiel auch sogenannte
Volltilger-Darlehen. Dabei steht über eine höhere laufende Tilgung bereits heute
eine Rate fest, die nach 20 oder 25 Jahren zur vollständigen Rückzahlung des
Darlehens führt. Das Risiko später zu deutlich höheren Zinsen eine
Anschlussfinanzierung vornehmen zu müssen, wird damit schon heute
ausgeschlossen.
von Robert Haselsteiner (Gründer und Vorstand der Prohyp GmbH)
Tendenz
kurzfristig: seitwärts
mittelfristig: aufwärts
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