 Zinskommentar vom
12.04.2010
EZB hält weiter still
von Robert Haselsteiner (Gründer und Vorstand der Prohyp)
Auch nach der gestrigen EZB-Zentralratssitzung wurde keine Veränderung in der Geldmarktpolitik bekanntgegeben. Damit wird eine Leitzinserhöhung durch die Euro-Notenbank in 2010 immer unwahrscheinlicher. Das Dilemma für die Notenbanker wird gleichzeitig immer größer, da sie inzwischen nicht mehr nur die direkten Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise bekämpfen, sondern sich auch immer mehr Sekundäreffekte zeigen, die in der Zinspolitik und in der Sicherung der Währungsstabilität eine Rolle spielen. Der gefährlichste Sekundäreffekt ergibt sich aus der dramatischen Verlagerung privater Schulden in die öffentlichen Haushalte. Auffanglösungen, Konjunkturpakete und Bankenrettungsmaßnahmen haben die Kreditblase aus dem privaten Sektor in kürzester Zeit in die Staatshaushalte verlagert. Wegbrechende Steuereinnahmen haben, aufgrund des Konjunktureinbruches, riesige Defizitlöcher verursacht, die jetzt finanziert werden müssen und die Schuldenquoten in den USA und Europa explodieren lassen. Das alles passiert zu Zeiten historisch tiefer Zinsen, was die aktuellen Finanzierungskosten noch erträglich erscheinen lässt. Was geschieht jedoch, wenn die Investoren höhere Risikoaufschläge für ihre Anlagen in Staatsanleihen fordern? Einen Vorgeschmack darauf bietet derzeit Griechenland. Nach kurzer Entspannung geht die Demontage weiter. Rund 7,5 % muss Griechenland inzwischen für 10-jährige Staatsanleihen zahlen. Mehr als doppelt so viel wie Deutschland und vergleichbar mit Unternehmen ganz schwacher Bonität. Diese Zinsen kann sich Griechenland auf Dauer nicht leisten und es wird daher zu einer Rettungsaktion kommen müssen, um den Bankrott zu verhindern. Damit geht aber die Spirale weiter. Die (noch) starken Länder werden immer mehr zum Auffangbecken – nicht nur des privaten Sektors – sondern auch der schwachen Länder in Europa. Solange die Politik daher an einem gemeinsamen und solidarischen Europa festhält, gibt es nur zwei Anpassungsfaktoren. Der Euro wird schwächer und die Risikoaufschläge für langfristige Staatsanleihen vieler europäischer Länder werden steigen. Die tiefen Leitzinsen der EZB wirken vorerst noch wie ein Anker, der im Sturm das Boot festhält. Wenn die Belastung zu groß wird, reißt sich das Boot los und treibt davon.
Baufinanzierungskunden bleiben weiterhin die Nutznießer dieser an und für sich schwierigen wirtschaftlichen Phase. Historisch tiefe Zinsen auch für lange Laufzeiten (Immobilienkäufer finanzieren derzeit um rund 3 % tiefer als das EU-Mitglied Griechenland!) und die Investition in inflationsgesicherte Immobilien bieten eine extrem attraktive Möglichkeit, persönlichen Nutzen mit smarter Anlage zu kombinieren. Wir empfehlen daher weiterhin, zumindest einen großen Teil der Finanzierungssumme über lange Zinsbindungen festzuschreiben und damit für Kalkulationssicherheit zu sorgen. Gefragt sind derzeit zum Beispiel sogenannte Volltilger-Darlehen. Dabei steht heute schon eine Rate über eine höhere laufende Tilgung fest, die nach 20 oder 25 Jahren zur vollständigen Rückzahlung des Darlehens führt. Das Risiko später zu deutlich höheren Zinsen eine Prolongation vornehmen zu müssen wird damit schon heute ausgeschlossen. Grundsätzlich empfehlen wir, bei diesem niedrigen Zinsniveau die Tilgung mit mindestens 2 % zu wählen, damit die Gesamtlaufzeit des Darlehens überschaubar bleibt.
Tendenz
kurzfristig (1-2 Wochen): seitwärts
mittelfristig (in 3 Monaten): aufwärts
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