 Zinskommentar vom
09.08.2010
Zins-News: Tiefe Zinsen jetzt nutzen!
von Robert Haselsteiner (Gründer und Vorstand der Prohyp)
Trotz einer starken Performance der
deutschen Wirtschaft und einem enger
werdenden Arbeitsmarkt mit absehbaren
Steigerungen auf der Lohnseite bleiben die
Langfristzinsen in Deutschland historisch
tief. Der Grund dafür liegt in der
Abstrahlwirkung der schwachen
Konjunkturentwicklung in den USA und der
dortigen rasanten Abwärtsbewegung, die wir
bei den Zinsen gesehen haben. Die
Befürchtung, dass die USA nochmals in die
Rezession abrutschen könnten, setzt die
US-Notenbank unter Druck, weitere
geldpolitische Lockerungsmaßnahmen zu
überdenken. Wahrscheinlich kommt es zu
weiteren Aufkäufen von Staatsanleihen und
Hypothekenkrediten. Diese Schritte werden
von den Investoren am Anleihemarkt schon
vorweggenommen und haben die Renditen sinken
lassen. In Euroland ist es die Furcht vor
einer Depression in einigen finanzschwachen
Euro-Mitgliedsländern, die den
Handlungsspielraum der Europäischen
Zentralbank einengt und sie zu einer
Geldpolitik verführt, die für starke Länder
wie Deutschland, Holland oder Belgien schon
heute viel zu lax ist. In diesen Ländern
wird damit verstärkt die Basis für
Preissteigerungen in den Immobilienmärkten
gelegt. Aufgrund strukturell immer enger
werdender Arbeitsmärkte wird zudem die
Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale geschürt.
Gerade Deutschland profitiert von der
starken Nachfrage in den BRIC-Staaten und in
vielen Emerging Markets. Die frühere
Ausrichtung der Exporte in die USA und die
damit einhergehende Abhängigkeit von der
US-Konjunktur hat sich deshalb deutlich
abgeschwächt. Vielmehr scheint inzwischen zu
gelten: Geht es China gut - geht es auch dem
deutschen Export gut. Die Rekordergebnisse
der deutschen Autobauer sind der beste Beleg
für diese neue Logik. Deutsche Konsumenten
profitieren jetzt von einem positiven
Konjunkturumfeld bei gleichzeitig sehr
günstigen Finanzierungskonditionen. Diese
Kombination sollte für Immobilienkäufe
genutzt werden, bevor die Preise in der
Breite zu steigen beginnen. Die
Preissteigerungen in den Spitzensegmenten in
München, Frankfurt, Düsseldorf oder Hamburg
sind die Vorboten dieser Entwicklung.
Immobilienkäufer und Anschlussfinanzierer
sollten daher die aktuell sehr tiefen Zinsen
konsequent nutzen und ihre Konditionen mit
längeren Laufzeiten absichern. Trotz aller
kurzfristigen Schwankungen und der
Verlockung auf noch günstigere Konditionen
zu warten, raten wir, zumindest einen großen
Teil der Finanzierungssumme über lange
Sollzinsbindungen festzuschreiben und damit
für Kalkulationssicherheit zu sorgen.
Baufinanzierungskunden müssen in
Zeithorizonten von 20 bis 30 Jahren denken,
in denen sie monatliche Zahlungen leisten.
Daher sollten sie sich auf keine Spekulation
einlassen. Die Zinsen sind derzeit
historisch tief und implizieren ein
Deflationsumfeld für die nächsten Jahre.
Eine Inflationsprämie ist in den aktuellen
Zinssätzen nicht mehr enthalten.
Grundsätzlich empfehlen wir, bei diesem
niedrigen Zinsniveau eine Tilgung von zwei
bis drei Prozent zu wählen, damit die
Gesamtlaufzeit des Darlehens überschaubar
bleibt. Gefragt sind momentan zum Beispiel
sogenannte Volltilger-Darlehen. Dabei steht
über eine höhere laufende Tilgung heute
schon eine Rate fest, die nach 20 oder 25
Jahren zur vollständigen Rückzahlung des
Darlehens führt. Das Risiko, später zu
deutlich höheren Zinsen eine
Anschlussfinanzierung vornehmen zu müssen,
wird damit bereits jetzt ausgeschlossen.
Tendenz
kurzfristig: aufwärts
mittelfristig: seitwärts
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