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Zinskommentar vom 07.02.2011
Zinsen tendieren weiter nach oben

von Robert Haselsteiner (Gründer und Vorstand der Prohyp)

Auch in dieser Woche sind die Kapitalmarktzinsen weiter angestiegen. Obwohl die US-Notenbank weiterhin keinen Grund sieht, ihre extrem lockere Geldpolitik aufzugeben, und die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag kein Signal für eine baldige Leitzinserhöhung gegeben hat, beruhigt sich die Lage am Anleihemarkt nicht. Die Investoren trauen nicht mehr der Einschätzung der Zentralbanken, die ihre zögerliche Haltung mit dem Verweis auf derzeit noch geringe Inflationsraten rechtfertigen. Inzwischen scheint die allgemeine Meinung zu sein, dass die Zentralbanken bereits jetzt den Geschehnissen an den Märkten hinterherhinken und damit die Kontrolle über die zukünftigen Entwicklungen verlieren könnten. Steigende Öl-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise sind das Ergebnis einer galoppierenden Wachstumsentwicklung in vielen Emerging Markets, teilweise oligopolistischen Anbieterstrukturen und zunehmenden politischen Spannungen in vielen arabischen Ländern. Dazu kommt noch ein spekulatives Element, da viele Investoren aufgrund von Inflationsängsten aus Nominalwerten, wie zum Beispiel Staatsanleihen, flüchten und in Realwerte wie Rohstoffe investieren.

Staatsverschuldung weiterhin das Hauptproblem
Die größte und auch begründete Sorge machen sich Investoren allerdings über die ausufernde Staatsverschuldung in vielen Ländern und die dadurch ausgelösten unkonventionellen Bekämpfungsmaßnahmen. Allen voran hat sich die US-Notenbank vor den Karren der Politik spannen lassen und ist inzwischen der größte Investor in US-Staatsanleihen. Sie hat in dieser Funktion inzwischen China und Japan überholt, die bis Anfang dieser Woche die größten Gläubiger der USA waren. Da ein großer Teil des Aufkaufprogramms der US-Notenbank noch nicht genutzt ist, wird diese Stellung in den nächsten Monaten noch weiter anwachsen. Das Geld, mit dem die US-Notenbank die Staatsanleihen kauft, ist natürlich nicht da, sondern wird gedruckt. Nicht umsonst bezeichnen führende Volkswirte diese Vorgänge als das größte Schneeballsystem in der Geschichte. Der Devisenmarkt hat inzwischen auch reagiert und der US-Dollar befindet sich auf Talfahrt gegenüber allen anderen Währungen, sogar gegen den selbst in der Schuldenkrise steckenden Euro. Mittelfristig werden daher die Gläubiger der USA nur Teile ihres Geldes wieder sehen.




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